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Wir dokumentieren unser Flugblatt gegen die Hamburger Vortragsreihen “Intros” und “Allein Schon”, anlässlich des Poststrukturalismusvortrags im Rahmen von “Intros” am 7.02.2013. Eine PDF Version gibt es auf Issuu.com oder direkt hier.

 

„Allein schon Intros III“

Gegen die postmoderne Linke und ihre Kritikdezimierung.

 

Das Immergleiche.

„Die Intros gehen weiter“ jubelt es aus der Roten Flora, in der sich Kritikmaximierung Hamburg, a² und das Freie Sender Kombinat nun schon „die dritte Saison“ bemüßigt fühlen, irgendwas mit Theorie zu machen, also „gesellschaftskritische Einführungsveranstaltungen“ abzuhalten. Kritik, die diesen Namen verdiente, wird sich allerdings kaum finden, wo Freude über das So-weiter-Gehen das Leid an der verkehrten Gesellschaft verdrängt, und die Katastrophe, dass der Kapitalismus einfach immer so weitergeht, sich als jahrmarktförmige Rekrutierungsveranstaltung darstellt. Anderswo verwandelt ein sich selbstsicher mit dem studentischen Elend identifizierendes Racket die Uni Hamburg zum Meinungsbasar für Popantideutsche und andere Akademiker, um „Begriffe der Kritik“ zu verramschen. Mit dem abgeklärten Gestus des bescheidwissenden Wutbürgers stellt sich ein „Studentisches Milieu“ ganz vorne an die Agitationsfront, rümpft die Nase und blökt: „Allein schon Deutschland!“. Ähnlich geht es bei den „Intros“ zu, deren Veranstalter 2013 allerdings das Marktschreierdasein satt haben und stattdessen vom Schaffnern träumen. Anstatt wie bisher „einzelne Herrschaftsverhältnisse“ kritisieren zu wollen, verticken KmH, FSK und a² nun trendige Theorietickets mit Option auf innerlinken oder akademischen Distinktionsgewinn.

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Allahs Ethnie

Wir haben mit der Hamburger Studienbibliothek sowie assoziierten Personen ein Flugblatt zum “Kongress gegen antimuslimischen Rassismus” verfasst, das im Folgenden dokumentiert wird. Eine PDF Version gibt es auf Issuu.com oder direkt hier.

 

Allahs Ethnie

Wie ein Kongress gegen „antimuslimischen Rassismus“ Muslime als Rasse konstituiert

 

Eigentlich, sollte man meinen, hätten »antirassistische und autonome Zusammenhänge« genug zu tun. Unverändert werden Flüchtlinge und Migranten mit dem Bodensatz der öffentlichen Meinung konfrontiert, von Ausländerbehörden schikaniert und tagtäglich in Ungewissheit, Elend oder sogar den sicheren Tod abgeschoben; und während zahlreiche Käffer, vor allem im Osten, immer noch als No-Go-Areas für alles, was fremd aussieht, fungieren, führen sich die Deutschen ganz unverhohlen gegenüber Griechenland als Kolonialherr auf. Die Linke aber vermag das alles nicht recht in Wallung zu bringen. Um »fehlenden Aktivismus« zu überwinden und »Handlungsfähigkeit« zurück zu erlangen, bedarf es schon etwas Exquisiterem: eines so genannten »antimuslimischen Rassismus« etwa. Zu dessen Bekämpfung findet vom 12.-14. Oktober in der Roten Flora ein Kongress statt, dessen Versprechen vor allem darin besteht, was auf ihm – bündig in einem »Disclaimer« zusammengefasst – nicht thematisiert werden soll: Islam? »Darum geht’s doch gar nicht!«1 Und weil auf dem Kongress tatsächlich vom Islam, also von Religion, also von Religionskritik geschwiegen werden soll, bleibt vom »antimuslimischen Rassismus« am Ende nur eins übrig: die Muslime als Rasse.

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Once more, with feeling

Dieser Text kann auch als PDF gelesen werden.
 

Once more, with feeling

Gegen Islam und Aufklärungsverrat!

 

„›Die Linke‹ ist tot, aber die meisten Linken haben es gar nicht bemerkt und einige wollen es nicht so recht wahrhaben.“

„Der linke ›Common sense‹ ist die moraline Variante der herrschenden Meinung, die bekanntlich die Meinung der Herrschenden ist.“

Joachim Bruhni

 

Die Antisemiten in der deutschen Linken haben es nicht leicht: Anders als den Rechten, die ebenfalls ihren Antisemitismus nach 1945 unter dem Joch des gesellschaftlichen Tabus verdrängen oder zumindest tarnen mussten, macht ihrem Hass auf die Juden auch das eigene, linke Selbstverständnis zu schaffen. Sie denken Antifaschisten im Kampf gegen Unterdrücker zu sein und das passt nicht zum Judenhass, außer die Juden seien selbst Unterdrücker: Auf der ersten Stufe des Selbstbetrugs rehabilitierte die deutsche Linke den Antizionismus. Der deutschen Palästinasolidarität, der die realen Probleme der Palästinenser und Palästinenserinnen vollkommen egal waren und sind, gelang ein preisverdächtiges Kunststück. Man konnte gegen den jüdischen Staat schlagen und sich als Vorhut des Sozialismus fühlen. Die eigene deutsche Vergangenheit wurde ihnen dabei zum moralischen Kapital im Abwehrkampf gegen den in Israel hineingeheimnißten Faschismus. Eigentlich hätte alles so gut sein können. Doch dann fiel die Sowjetunion und mit der Wiedervereinigung kam die antideutsche Kritik und machte den deutschen Linken den Antizionismus madig. Einige resistente Antizionisten wehren sich bis heute dagegen, aber nicht wenige Linke wurden antinational. Sie sind nun kritisch gegenüber Antisemitismus, den manche von ihnen auch im Antizionismus aufzuspüren gelernt haben. Ihre Entsorgung der Vergangenheit und Rehabilitierung des antiisraelischen feeling tarnt sich unter dem Mantel einer, von allen historischen Bedingtheiten abstrahierenden, pesudo-universalistischen Nationalismuskritik. Von Postnazismus will man nichts wissen und Solidarität mit Israel verbietet man sich, schließlich sei es doch auch nur ein Nationalstaat wie jeder andere. Die eigenen Demonstrationen hält man rein von Nationalflaggen, wovon selbstverständlich nur israelsolidarische Menschen betroffen sind und solche, die denken, man könne den Alliierten schon mal für die Befreiung der Welt von den Deutschen danken. Aber das genügt den Linken nicht mehr. Denn seit islamistische Rackets der USA, dem Hauptfeind aller Linken, ihre Verletzlichkeit demonstrierten, sieht man die Muslime und Muslimas der Welt der bevorstehenden Vernichtung ausgeliefert, wie es einst Palästinenser und Palästinenserinnen zu sein schienen. So packt man postmoderne Modetheorie und islamische Kampfbegriffe ins Gepäck und stürzt sich in den queeren Djihad gegen USA und Israel. Auch vor Hamburg macht die Rekrutierungswelle nicht halt. Bereits 2011 organisierten die undogmatischen Bündnisfetischisten von Avanti eine Veranstaltungsreihe zu „antimuslimischem Rassismus“. Ein Jahr später wurde das Thema ausgegriffen von Susann Witt-Stahl, die sich als Boykotteurin jüdischer Filme einen Namen machte und nebenberuflich antispeziezistische Leichenschändung an Vertretern der Kritischen Theorie betreibt. Doch die Hamburger Szene hat eigentlich ganz andere Sorgen: Sie befindet sich seit Jahren im verzweifelten Abwehrkampf gegen Aufklärung und Emanzipation, stets bemüht dem Gift der Ideologiekritik zu entrinnen. Die Einen versuchen, der Barbarei so viel als möglich Vorschub zu leisten, beschimpfen und schlagen panisch gegen alle, die ihnen als Szenevergifter gelten. Die anderen fühlen sich einem wie auch immer gearteten ideologiekritischen Projekt verbunden bzw. haben wenigstens einen noch so rudimentären Begriff von linkem Antisemitismus, dass sie für den Rest der Szene zu Hassobjekten erster Klasse werden. Nicht wenige von ihnen scheinen an Reintegration interessiert und versuchen „die Spuren ihrer Lektüre zu tilgen, wie manche Altersgenossen ihre Facebook-Fotos aus früheren Jahren.“ii Der Großteil der Hamburger Szene verharrt in Gleichgültigkeit: bloß keine Debatte, bloß keine Spaltung! So schrecklich dieser Konflikt für die darin Gefangenen, so grausam die Schläger der antiimperialistischen Rackets, so sonderbar die Versuche Postantideutscher in den antisemitischen linken Mainstream zurück zu finden: So sehr bleibt zumindest zu hoffen, dass das „[schleichende] Gift“ der Kritik noch mehr Linke „zum unfreiwilligen Eingeständnis ihres endgültigen Scheiterns“ treibt.iii Wir erlauben uns diese Hoffnung, denn ideologiekritische „Schriften werden weiterhin von Linksradikalen gelesen […] und werden von jungen, unschuldigen Gemütern aufgenommen und in ihr politisches Weltbild eingebaut.“iv

Wenn also Hamburger Linke schon wieder meinen, den Islam vor Kritik schützen zu müssen und einen Kongress gegen „antimuslimischen Rassismus“ veranstalten und die Rote Flora meint, nach den antiisraelischen Tiraden der Hamas-Freundin Inbal S. sei ein solcher Kongress eine willkommene Fortsetzung, finden wir genug gute Gründe, solchem Meinen seinen verdienten Platz auf dem Müllhaufen der Geschichte auszuweisen.

 
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