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Der Mitschnitt unserer Veranstaltung mit Stephan Grigat und Andreas Benl, beide von Stop the Bomb, ist nun online auf mediafire.

Mit dem Genfer Abkommen, das im November 2013 zwischen der Islamischen Republik Iran und den permanenten Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland abgeschlossen wurde, hat das Ayatollah-Regime, nach Jahren der internationalen Isolierung, einen ungeheuren diplomatischen Erfolg erzielt. Im Austausch für ein paar kosmetische Zugeständnisse wurden die gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen erheblich gelockert. Den permanenten Verstößen des Regimes gegen UN-Beschlüsse und geltende Verträge wurde damit de facto der Segen der Supermächte erteilt – denn weder ist die Arbeit an einer iranischen Atombombe substantiell beeinträchtigt worden, noch hat sich auch nur ein Deut an der Unterdrückung der Opposition und an den permanenten Vernichtungsdrohungen gegen Israel geändert.

Dennoch gilt das Abkommen auch im Westen als Meilenstein einer Politik des »interkulturellen Dialogs«. Es reichte offensichtlich, die Schurkenvisage Ahmadinejads durch die Grinsekatze Rohani zu ersetzen, um den Iran in einen umworbenen Verhandlungspartner zu verwandeln und dabei die Warnungen Israels und zahlreicher arabischer Staaten beiseite zu wischen. Wie aber erklärt sich die Bereitwilligkeit, mit der das Phantasma vom »Reformislamismus« beschworen wird – bis hin zur Forderung, Rohani den Friedensnobelpreis zu verleihen? Und warum kann die Islamische Republik ideologische Unterstützung in ganz anderem Ausmaß im Westen mobilisieren als jede säkulare Diktatur?

Stephan Grigat (Politikwissenschaftler, Wien) wird die Hintergründe und Tragweite der Annäherung des Westens an das iranische Regime darstellen, Andreas Benl (Historiker, Berlin) das kulturrelativistische Bedürfnis, das neben politischen und ökonomischen Kalkülen seit 1979 die Auseinandersetzung mit der Teheraner Chefetage des Islamismus bestimmt. Beide Referenten sind aktiv in der internationalen Kampagne Stop the Bombgegen das iranische Atomprogramm.

Eine Veranstaltung von Hamburger Studienbibliothek, Gruppe Melange und Assoziierten auf Einladung der Initiative Kritischer StudentInnen.

Freitag, 21. Februar 2014, 19.00 Uhr, Universität Hamburg, t-Stube im Pferdestall (Allende-Platz 1)

Die Mitschnitte der Podiumsdiskussion mit Lars Quadfasel und Kay Sokolowsky am 17.10. zur Frage “Was wollen die Deutschen vom Islam?“, sowie der Vortrag Danyals vom 7.11. zur Kritik der khomeinistischen Despotie und ihrer deutsch-europäischen Freunde stehen nun zum Download bereit. Ankündigungstexte und weitere Informationen finden sich auf dem Blog der Reihe. Zu ähnlichen Fragestellungen sei hier auf die Mitschnitte der Berliner Tagung Politischer Islam und Kulturdialog mit dem Iran vom 23.11. hingewiesen.

Mythos Nakba

Am Sonntag, den 8. Dezember, um 10:00 wurde in der Auferstehungskirche Bergedorf, am Kurt Adamsplatz 9, die Ausstellung “Die Nakba” eröffnet. Die Hamburger Studienbibliothek, die Gruppe Melange sowie assoziierte Personen verfassten dagegen ein Flugblatt, welches hier dokumentiert wird. Es kann außerdem auf Issuu.com betrachtet, oder direkt hier als PDF heruntergeladen werden.

Mythos Nakba
Die Ausstellung „Die Nakba“ schürt Israelhass auf Kosten palästinensischer Flüchtlinge.

Sehr geehrte Ausstellungsbesucher,
die heute eröffnete Ausstellung über die „Nakba“ (dt.: Katastrophe) – also „Flucht und Vertreibung der Palästinenser“1- will ein angebliches Tabu brechen, das Aufklärung über die Vertreibung der ursprünglichen palästinensischen Bevölkerung im Zuge der Staatsgründung Israels verhindere. Der Blick auf jene, die „zu Hunderttausenden vertrieben oder zur Flucht gezwungen“ wurden, soll deren Elend öffentlich machen und zu „Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten“ beitragen. Dass dies nicht schon längst erreicht ist, liegt nach Ansicht der Macher vor allem daran, dass Israel sich einer Lösung der „Flüchtlingsfrage“ und einem „Recht auf Rückkehr“ der palästinensischen Flüchtlinge verweigere.

Wer vom Leid der Flüchtlinge sprechen will, sollte allerdings von dessen Ursachen nicht schweigen. Der gemeinsame Angriff der Nachbarn Israels am Tag nach der Staatsgründung 1948 erfolgte mit der offenen Absicht, den jüdischen Staat zu vernichten. Entgegen dem israelischen Appell, Bürger des neuen Staates zu werden, folgten Teile der arabischen Bevölkerung der Propaganda ihrer Führer. Diese behaupteten, der verzweifelte Abwehrkampf der Haganah verfolge die gleichen Ziele wie ihr Angriff – die Eliminierung der Unterlegenen. Sie riefen die arabische Bevölkerung dazu auf, das Land zu verlassen und erst mit den siegreichen antizionistischen Armeen zurückzukehren. Begleitet wurde dies von Drohungen, Zurückbleibende würden als Kollaborateure des Judenstaats behandelt und gehängt. Selbstverständlich ist ein Krieg keine Adventsmesse und schließt Grausamkeiten auf beiden Seiten ein, doch von einer Vertreibungspolitik Israels zu sprechen, ist eine glatte Lüge. Die Nakba-Ausstellung dichtet die arabische Aggression zur Verteidigung gegen die israelische Staatsgründung um und verdreht somit die Tatsachen. Sie verschweigt oder verharmlost die der Staatsgründung vorausgehenden Pogrome gegen jüdische Siedlungen, die zur Formierung der Haganah führten. Sie blendet aus, dass die zunehmende zionistische Besiedelung ab den 20er Jahren ein enormes ökonomisches Wachstum im britischen Mandatsgebiet Palästina einläutete, aufgrund dessen etliche Araber erst in die Region zogen – die arabische Bevölkerung verdoppelte sich bis zum Zeitpunkt der Staatsgründung.

Das bis heute andauernde, gezielt aufrechterhaltene Flüchtlingselend dient arabischen und westlichen Antizionisten als Faustpfand gegen Israel. Im Libanon haben Palästinenser kein Wahlrecht, dürfen keine Immobilien erwerben und sind von vielen Berufen ausgeschlossen. Kuwait wies den Großteil der palästinensischen Flüchtlinge aus dem Land aus, als Arafat seine Unterstützung für Hussein im Golfkrieg 1991 verkündete. 20 Prozent der Staatsbürger Israels hingegen sind Araber, die volle Bürgerrechte genießen – was natürlich keinesfalls ausschließt, dass Teile der Bevölkerung rassistische Ressentiments auch gegen Araber hegen.

Kurzum: Die Nakba-Ausstellung verschweigt, dass das Leid der palästinensischen Flüchtlinge zuvorderst den arabischen Staaten und ihren westlichen Freunden anzulasten ist, die jene Flüchtlinge als lebendiges Anklagematerial gegen Israel in Lagern zusammenpferchen und dahinvegetieren lassen. „Nakba“ meint aus dieser Sicht weniger „die Ereignisse um 1948, die mit der Ausrufung des israelischen Staates verbunden waren“ – denn dann hätte man vom Vernichtungsfeldzug gegen Israel und der Einschüchterung der arabischen Bevölkerung durch die angreifenden Armeen zu sprechen. Fokus und Inhalt der Ausstellung legen vielmehr als einzig möglichen Schluss nahe, dass die „Katastrophe“ für die Organisatoren in der Staatsgründung selbst besteht, also in der Selbstverteidigung der Überlebenden der Shoah. Als Zeuge dafür tritt Ilan Pappé auf, einer der sogenannten „Neuen Historiker“, der sich weniger an Fakten orientiert als am Hass auf Israel, wie er 1999 in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Soir eingestand: „In der Tat geht es dem Kampf weniger um Fakten als um Ideologie. Wer weiß schon, was die Fakten sind? Wir versuchen so viele Menschen als möglich von unserer Interpretation der Fakten zu überzeugen, und wir tun dies aus ideologischen Gründen, nicht weil wir Wahrheitssuchende sind.“. Der einzige Frieden im Nahen Osten, der so denkbar ist, ist eine Region ohne Israel und ohne Juden.

Wer sich ernsthaft für das Elend der Palästinenser interessiert, sollte fragen, warum einige Länder sowie das UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, das sich ausschließlich um palästinensische Flüchtlinge kümmert, dieses Leid gezielt aufrechterhalten. Gefragt werden sollte, wie es sein kann, dass, allem Gerede vom Tabu zum Trotz, 22 Resolutionen der UN-Generalversammlung dieses Jahr Israel verdammten, während der Rest der Welt nur in vier Resolutionen bedacht wurde. Man sollte sich fragen, wie es sein kann, dass deutsche Weltverbesserer 68 Jahre nach der Shoah Israel als größtes Hindernis auf dem Weg zum Frieden sehen, und weshalb die Auferstehungskirche Bergedorf meint, einer solchen Ausstellung, die in der Vergangenheit schon mehrfach massiv kritisiert und wissenschaftlich widerlegt wurde2, Räume bieten zu müssen.

Besucher dieser Ausstellung sollten sich fragen, ob nicht ihr einziger Zweck darin besteht, guten Gewissens und im Kreise Gleichgesinnter die Vernichtung des jüdischen Staates zu erträumen.

Dass solche Träume sich nie erfüllen mögen, hoffen inständig:
Gruppe Melange, Hamburger Studienbibliothek & Assoziierte
(melangehamburg.wordpress.com / studienbibliothek.org)

 

1 Soweit nicht anders angegeben, entstammen alle Zitate der Website von Flüchtlingskinder im Libanon e.V., die die Ausstellung organisieren: http://www.lib-hilfe.de/fakten_ausstellung.html.
2 Für weitere Informationen zur Nakba-Ausstellung sei auf die Broschüre “Mythos Nakba” der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (http://haolam.de/artikel_14307.html) sowie eine Kritik Tilman Tarachs (http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15777) verwiesen.

Unter folgendem Link findet sich der Mitschnitt unserer Veranstaltung “Über die historische Vergänglichkeit von ›Geschichte und Klassenbewusstsein‹” mit Robert Fechner, sowie einem Einleitungsreferat der Gruppe Melange zum Begriff der klassenlosen Klassengesellschaft:

Download über Mediafire.

Die 1923 von Georg Lukács veröffentlichte Aufsatzsammlung Geschichte und Klassenbewusstsein gilt bis heute völlig zu Recht als entscheidender Markstein bei der Entstehung des sogenannten westlichen Marxismus und der Kritischen Theorie. Insbesondere mit seinem Aufsatz über Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats schuf Lukács einen Strang kritischer Theoriebildung, der die Marxsche Warenanalyse zu ihrem Ausgangspunkt nahm und deren erkenntniskritischen Motive betonte. Die Kritik der teleologischen Geschichtsauffassung und des Basis-Überbau-Schematismus des traditionellen Marxismus, wie die Neuaneignung des philosophischen Erbes Hegels bei Marx und der Fetischismuskritik hat in ihm ihren Referenzpunkt.

Der Versuch einer Aktualisierung der Marxschen Revolutionstheorie trägt aber selbst noch die Züge einer Zeit, in der die kommunistische Weltrevolution als greifbar erschien. Das historische Scheitern des Proletariats, das nicht nur nicht die Weltrevolution auf den Weg brachte, sondern es auch nicht vermochte Auschwitz zu verhindern, machte eine Revidierung der Lukácsschen Prämissen notwendig. Sie ist Kritik an einer Position, die sich auf der Suche nach einem quasi nicht-verdinglichten Rest befindet: der Versuch der Rettung einer positiven Revolutionstheorie, die ihren archimedischen Punkt im Subjekt-Objekt der Gesellschaft, dem Proletariat, hat.

Dass Georg Lukács die Vernichtungslager nicht voraussehen konnte, kann ihm nur schwer zum Vorwurf gemacht werden: wenn heute aber die selbsternannten neuen kritischen Theoretiker im Dunstkreis von Axel Honneth endlich wieder positive Theorie im Anschluss an Lukács betreiben wollen, dann schlägt dies in Ideologie um. Anstatt einen kritischen Begriff von Verdinglichung zu entwickeln, wird dieser zum anerkennungstheoretischen Popanz, der die vermeintliche »Verkümmerung oder Verzerrung einer ursprünglichen Praxis« (Honneth) anklagt und die Einübung in positve thinking und Realtitätsverdrängung ist. Und hierin besteht Einigkeit mit einer Linken, die das eigene historische Scheitern verleugnen muss, um an jeder Straßenecke die Abnehmer ihrer Revolutionsromantik zu entdecken: die einen reden nur von Subalterne, andere von vorgelagerter Anerkennung und manche meinen selbst im Jahre 2013 noch, über das Schicksal der Revolution entschiede das Klassenbewusstsein.

 

Zu Gehalt der Lukácsschen Theorie und Kritik ihrer Fans wird Robert Fechner auf Einladung der Gruppe Melange referieren. Von Fechner erschien ein Aufsatz zur Beziehung von Georg Lukács und Max Weber in dem 2012 im ca-ira Verlag veröffentlichten Sammelband Verdinglichung, Marxismus, Geschichte. Von der Niederlage der Novemberrevolution zur Kritischen Theorie.

4. Juli, 19:00, im Keller des Plan B (bei der Hafenstraße 116, Zugang über den Garten).

Im folgenden vier Gedichte Paul Celans, die beim N.N. am 30.06. (“Bilder der erstarrten Zeit”) zur Diskussion gestellt werden sollen:

ohne Titel (aus: „Mohn und Gedächtnis“)
 

Nachts, wenn das Pendel der Liebe schwingt

zwischen Immer und Nie

stößt dein Wort zu den Monden des Herzens

und dein gewitterhaft blaues

Aug reicht der Erde den Himmel

 

Aus fernem, aus traumgeschwärztem

Hain weht uns an das Verhauchte

und das Versäumte geht um, groß wie die Schemen der Zukunft.

 

Was sich nun senkt und hebt,

gilt dem zuinnerst Vergrabnen:

blind, wie der Blick, den wir tauschen,

küßt es die Zeit auf den Mund.

 
ohne Titel (aus: Verstreute Publikationen aus dem Zeitraum von „Mohn und Gedächtnis“)
 

Wie sich die Zeit verzweigt

das weiß die Welt nicht mehr

Wo sie den Sommer geigt

vereist ein Meer.

 

Woraus die Herzen sind

weiß die Vergessenheit

In Truhe, Schrein und Spind

wächst wahr die Zeit.

 

Sie wirkt ein schönes Wort

von großer Kümmernis

an dem und jenem Ort

ists dir gewiß.

 
Heimkehr (aus: „Sprachgitter“)
 

Schneefall, dichter und dichter,

taubenfarben, wie gestern,

Schneefall, als schliefst du auch jetzt noch.

 

Weithin gelagertes Weiß.

Drüberhin, endlos,

die Schlittenspur des Verlornen.

 

Darunter, geborgen,

stülpt sich empor,

was den Augen so wehtut,

Hügel um Hügel,

unsichtbar.

 

Auf jedem,

heimgeholt in sein Heute,

ein ins Stumme entglittene Ich:

hölzern, ein Pflock.

 

Dort: ein Gefühl,

vom Eiswind herübergeweht,

das sein tauben-, sein schnee-

farbenes Fahnentuch festmacht.

 
ohne Titel (aus: „Zeitgehöft“)
 

Rebleute graben

die dunkelstündige Uhr um

Tiefe um Tiefe,

 

du liest,

 

es fordert

der Unsichtbare den Wind

in die Schranken,

 

du liest,

 

die Offenen tragen

den Stein hinterm Aug,

der erkennt dich,

am Sabbath.

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